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Freitag, 2. Juni 2017

Ich fühle mich wackelig auf den Beinen.


 9 Monate, 1 Woche und 4 Tage oder auch 284 Tage.

Ich fühle mich noch etwas wackelig auf meinen Beinen. Ähnlich wie ein frischgeborenes Rehkitz. Kriege die Koordination noch nicht hin. Stolpere über kleine Steine. Ich setze ein Fuß vor den anderen. Suche Koordination, finde sie und behalte sie. Ich werde von Schritt zu Schritt sicherer.

Ich sammel jeden Stein, der meinen Weg kreuzt, auf. Ich stolpere nicht. Ich nehme jeden Stein mit und versuche etwas schönes daraus zu bauen. Ich ermutige mich selber. Ich besitze diese Stärke um mich selbst zu befreien. Ich weiß, welchen Rhythmus ich gehen muss um frei zu sein. Ich ganz alleine gebe das Tempo an und setze ein Fuß vor den anderen.

"Ich habe es geschafft" höre ich in meinem Gedankenfluss. Und es fühlt sich gut an. Wirklich.
Sonntag, 2. Oktober 2016

In meiner Welt ist alles heile!

Nun ist es 36 Tage her und ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht jeden einzelnen Tag zähle und mich Abends bedanke, dass ich wieder einen Tag geschafft habe. Manchmal mit Tränen, manchmal ohne Tränen. Ich fühle mich schrecklich einsam obwohl ich fast immer unter Leuten bin. Ich fühle mich schrecklich einsam wenn ich am Abend in meinem Bett liege, den Wind draußen durch die Äste wehen höre und in meinen Gedanken versinke. Ich fühle mich jede Nacht schrecklich einsam wenn ich aufschrecke, weil ich mal wieder schlecht geträumt habe. Meine schlechten Träume sind in den letzten 36 Tagen so normal für mich geworden wie das Atmen. Ich fühle mich schrecklich einsam wenn ich nach dem Feierabend meine Haustür aufschließe und sie hinter mir schließe. Ich fühle mich schrecklich einsam wenn ich morgens alleine an meinem Tisch sitze und frühstücke. Ich fühle mich auch schrecklich einsam wenn ich in der Küche stehe, mich umdrehe und jemanden suche zum Fragen ,,was möchtest du heute essen?".

36 Tage ist es nun her. In all den Jahren habe ich einen Weg gefunden mich nicht zu verlieren und an mich zu denken. Das klappt eigentlich gut. Doch manchmal tauche ich ab. Ich tauche ab in meine kleine Welt. In meiner Welt ist nämlich alles heile. Die Realität war eigentlich nur ein böser Traum. Meine heile Welt ist meine ganz eigene Realität. So wünsche ich es mir. In all den Jahren habe ich es gelernt meine Maske abzulegen und so zu sein wie ich bin. 36 Tage ist es nun her. 36 Tage in denen ich mich anstrengen muss mein gelerntes umzusetzen und nicht wieder meine Maske aufzusetzen. Meine Maske hat Urlaub. Urlaub für immer. Sie ist existiert nur noch auf meinem Oberarm und in meiner Vergangenheit. 36 Tage kämpfe ich mit mir selbst. Jeden Tag aufs neue stehen wir im Ring. Manchmal bin ich stärker. Manchmal ist mein Kopf auch stärker. Oder mein Herz. Ich weiß es nicht. Manchmal habe ich Tage an denen ich zerbrechen möchte. Ich fühle mich so schrecklich einsam. Verloren. Hilflos. Mir erscheint alles grau. Die ganze Welt. In meiner Welt ist alles heile.
Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Melodie des Lebens

Manchmal ist sie fröhlich, leicht oder lebendig. Manchmal traurig oder depressiv. Mal laut, mal leise, mal langsam, mal schnell. Jeder Mensch wird sein Leben lang von einer Melodie begleitet. Selten ist es immer die Gleiche, meistens wandelt sich der Klang von Zeit zu Zeit. Wird langsamer, ruhiger, vielleicht auch melancholisch, um dann kurze Zeit später wieder lebendig zu werden, Dich zum tanzen zu bringen. Nicht immer, aber oft hat man es selbst in der Hand, wie seine Melodie klingt. Denn egal wie schwierig oder traurig eine Situation auch sein mag, man hat es selbst in der Hand, das  Beste darauf zu machen. Etwas zu verändern. Und wenn es manchmal auch nur die eigene Denkweise ist.

Ich selbst habe mich für eine fröhliche Melodie entschieden. Das war aber nicht immer so. Und so einfach wie es klingt, war es auch nicht. Denn lange Zeit war es anders. Erschien es mir unmöglich die melancholische Ballade, mit einem depressiven Hauch, die im Hintergrund in einer Endlosschleife ablief, abzuschütteln und mich davon frei zu machen. Ich war einsam und traurig und konnte meine eigene Gesellschaft oft kaum ertragen. Ich kapselte mich ab und gab mich meinem Selbstmitleid hin. Versteckte mich hinter einer Fassade, die den Anschein erweckte, alles sei gut. Da war ich Profi drin. Bis ich verstanden habe, dass das Glück nicht einfach auf der Straße liegt oder mir zuläuft. Man muss sich aufraffen und danach suchen!


Alles geht den Bach runter
Einfach danach suchen ist unmöglich? Du sagst Dir gerade, dass Du eh vom Pech verfolgt wirst und deshalb niemals glücklich sein kannst? Vielleicht hast Du gerade Deinen Job verloren und bist deswegen entmutigt. Oder du fühlst Dich einsam, weil es für Dich scheinbar einfach nicht den passenden Deckel gibt. Oder Dein Herz hängt an Menschen, die Dich immer wieder runterziehen, anstatt Dich aufzubauen. Es gibt so viele Situationen, die Dich glauben machen, alles sei aussichtslos. Manchmal ist man selbst schuld, manchmal sind es die anderen. Oft sogar hat niemand die Schuld. Und es bringt auch nichts, nach einem Schuldigen zu suchen. Du solltest viel mehr nach etwas suchen, dass Dich aufbaut, Dir neue Kraft schenkt. Etwas, das Deinem Leben einen neuen Klang verleiht.

Die Sonne scheint zwar nicht immer
Dafür sorgen oft die Einflüsse des Alltags. Nicht selten ist man einfach nur müde und gestresst. manchmal kommen auch negative Gedanken in mir hoch. Gedanken an Fehler, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, auch wenn ich wünschte, es wäre anders. Gedanken, an liebe Menschen, die nicht mehr da sind. Freundschaften, die in die Brüche gingen, oft wegen Kleinigkeiten. An Dinge die man verloren hat, unwiederbringlich. Ja, solche Tage gibt es immer wieder. Aber ich lasse mich nicht mehr von solchen Gedanken gefangen halten, reiße mich schnell von ihnen los und erfreue mich statt dessen lieber an den vielen kleinen Dingen, die einen wieder zum Lachen bringen. Eine liebevolle Umarmung oder einem Abendhimmel.
Mittwoch, 1. Juni 2016

People: Welches Päckchen trägst du mit dir?

Es gibt genügend Menschen in unserem Umkreis die mit einer psychischen Krankheit leben oder mit anderen Problemen/Einschränkungen. Für die Gesellschaft ist es oftmals noch ein Tabu Thema darüber zu reden. Für mich schon lange nicht mehr. Wenn wir über die aktuellen Geschehnisse in der Welt reden, über die neusten Trends und den neusten Klatsch und Tratsch können wir doch auch über wirklich wichtige Themen reden? Heute möchte ich euch von Madina erzählen. Madina hat ebenfalls ein Päckchen mit sich zu tragen was sie euch heute gerne etwas näher bringen möchte.



Stelle dich doch mal vor. Wer bist du?
Hey, ich bin Madina Gold. Ich habe einen Blog namens "das grüne Haar im Essen" (klick) wo ihr Rezepte, Produkttests und Events findet die ich besuche. Bekannte kennen mich als kleine Frohnatur aber eigentlich leide ich unter schweren Depressionen und Borderline und habe mich in den vergangenen Monaten in einer Psychatrie behandeln lassen.

Man sagt "jeder hat so sein Päckchen zu tragen" Wekches ist dein Päckchen? 
Mein Päckchen ist, dass ich den Lebensmut verloren hatte. Ich hatte das Gefühl, dass mich nichts mehr in meinem Leben glücklich macht. Ich isolierte mich selbst von der Außenwelt und machte nichts mehr außer im abgedunkelten Raum rumliegen und mich in schlechten Gedanken (Suizid, Wunsch nach ewiger Ruhe) zu verrennen. Ich sagte immer, dass ich bevor ich 30 werde, tot sein will. Ich leide seit Jahren unter starken Schlafproblemen und nahm in meiner Verzweiflung alle Schlaftabletten die ich finden konnte. Ich erbrach sie alle unfreiwillig, da ich nicht wusste, dass diese ein Brechmittel beinhalten und da merkte ich, dass es so nicht weiter geht und ich Hilfe brauche.


Hast du deiner Familie/deinen Freunden von deinem Päckchen erzählt? Wie waren die Reaktionen? 
meiner Familie habe ich alles Jahre lang verschweigen können. Erst als ich in der Klinik war, traute ich erst meiner Schwester davon zu erzählen, die dann meinen Eltern vermittelte. Erst danach sprach ich mit meinen Eltern. Die Reaktion meiner Familie war sehr verständnisvoll. Sie machen sich aber auch Vorwürfe, dass ich ihnen jahrelang nichts sagte, aber es lag wirklich nicht an ihnen, dass ich so war. 

Wie gehst du in deinem Alltag damit um? Bist du sehr eingeschränkt?
 Depressionen und Borderline kann man nicht heilen, man kann nur lernen damit umzugehen. Ich versuche mich viel abzulenken in dem ich mich mit positiven Leuten umgebe und viel Sport mache. Ich werde auch in eine Tagesklinik gehen, die speziell nur für Borderliner ist um dort mehr mit dem Umgang der Krankheit zu lernen. Außerdem nehme ich Antidepressiva und Neuroleptika, bei denen ich wirklich merke, dass sie mir helfen. Trotzalledem ist der Wunsch nach ewiger Ruhe immer noch da, finde aber dass das noch warten kann, denn jetzt wo ich mein Leben mit vielen schönen Aktivitäten Fülle es endlich Spaß macht! 
Samstag, 28. Mai 2016

Kopfsache: Mein Leben, mein Weg!

Ich bin jetzt offiziell Volljährig. Zumindest in Amerika. Ich habe nicht gedacht, dass kurz nach beginn meines neuen Lebensjahr ein so großes neues Kapitel für mich beginnt. Ich hatte bis vor kurzem noch ein klares Ziel, einen klaren Weg. Mein Leben. Mein Weg. Doch plötzlich ändert sich alles Schlagartig. Mit nur einem Anruf. Ich bin jetzt stark genug. Ich bin jetzt stark genug um zu sagen, dass ich bereit für einen neuen Weg bin. Für eine neue Herausforderung. Ich besitze diese Stärke um endlich einschätzen zu können was richtig für mich ist. Was ich brauche. Und was überhaupt nicht zu mir passt und meine Persönlichkeit widerspiegelt. Mein Leben. Mein Weg. "Am Ende kommt alles anders als man denkt" sagte meine Oma mir vor ein paar Tagen am Telefon. Sie hat recht. Omas und Mütter haben immer recht. Aber ich bin nun endlich so weit um zu sagen, dass ich diesen neuen Weg einschlagen möchte. Ich möchte auf mich hören. Auf meine Gesundheit Wert legen und glücklich sein. Das hier ist mein Leben. Das hier ist ganz alleine mein Weg. Nichts und niemand sollte mich davon abhalten. Man muss an sich selbst denken. Ein bisschen Egoismus. Gesunder Egoismus.


Ich merke wie mir eine kleine Last von den Schultern fällt. Gleichzeitig kommen aber so viele Baustellen auf mich zu. Ich werde mich verändern. Nein! Ich habe mich verändert. Ich bin bereit für neue Herausforderungen und stark genug meiner Psyche einen kleinen Streich zu spielen. Ihr zu beweisen, dass sie mich schon lange nicht mehr im Griff hat. Dass ich sehr wohl stark genug geworden bin neue Herausforderungen anzunehmen und sie mit einem ruhigen Gewissen zu Meistern. Dass ich mich nicht mehr länger hinter den Depressionen verstecke. Mein Leben. Mein Weg. Ich gehe offen damit um. In meinem Umfeld wissen die meisten Menschen bescheid. Das hilft. Das hilft ungemein. Sie verstehen meine Entscheidung für einen neuen Weg total. Sie können es besser einordnen. Ich höre keine Sätze wie "die Zeit hättest du auch noch geschafft". Mein Leben. Mein Weg. Ich höre auf mich. Auf mein Wohlbefinden. Auf das was mein Bauchgefühl mir sagt. Ich konnte mich schon immer gut auf mein Bauchgefühl verlassen. Ich weiß nicht wie das funktioniert. Auf sein Herz zu hören. Ich verlasse mich lieber auf mein Bauchgefühl. Ich bin bereit. Ich bin bereit für den nächsten Schritt. Mein Leben. Mein Weg.

"Bist du dir sicher, dass du das schaffst?" - "Ich habe Angst, dass du wieder in Depressionen verfällst" 
Mein Leben. Mein Weg. Ich bin mir sicher. Ich schaffe das. Und wie ich das schaffen werde. Ich habe viel gelernt. Habe gelernt meine Depressionen auszutricksen. Ihnen keinen Raum zu geben um sich auszubreiten und mein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Nein. Ich habe mein Leben nun in der Hand. Ich ganz alleine. Nicht die Depressionen. Die habe ich nämlich nun in der Hand. Wir haben die Rollen getauscht. Ich bin glücklich mit dem Rollentausch. Die Depressionen scheinbar nicht. Das ist mir egal. Mein Leben. Mein Weg. Die Depressionen werden immer ein Teil von mir bleiben. Sie werden immer zu meinem Leben gehören. Das ganze negativ sehen und als Stein in meinem Weg betrachten? Gibt es nicht! Mein Leben. Mein Weg. Die Depressionen gehören zu mir. Sie gehören zu meiner Persönlichkeit. Zu meinem Charakter. Einfach zu mir. Sie werden auch immer ein Teil von mir bleiben. Ich gehe damit offen und ehrlich um. Diese Ehrlichkeit wird geschätzt. Ich bin ausgeglichener. Entspannter. Bereit für einen neuen Weg. Bereit für eine neue Herausforderung. Es kann los gehen denn ich bin bereit.
Freitag, 20. Mai 2016

Kopfsache: Ich bin jetzt frei

Ich bin jetzt frei. Ich habe losgelassen und es tat nicht einmal weh. Warum auch? Es war meine Entscheidung. Ich habe mich bereit gefühlt. Bereit all die Dinge hinter mir zu lassen. Mich nicht mehr wie eine 80 Jährige Frau zu fühlen. Ich bin jetzt frei. Frei von all der Last. Von alle den Problemen die ich mit mir getragen habe. Es war ein langer Weg aber ich bin jetzt frei. Ich kann sagen, dass es mir gut geht ohne diese Leere zu spüren. Ohne diesen Knoten im Bauch zu haben. Ohne diese Einsamkeit und Sehnsucht. Ohne mit den Tränen kämpfen zu müssen. Ich bin jetzt frei. Ich habe all die Furcht in den Griff bekommen und mein innerliches vom Gegenteil überzeugt. Ich habe Jahrelang Ausreden und Argumente gefunden. Sie irgendwann selbst geglaubt. Wusste nicht mehr was wirklich der Wahrheit entspricht und was eine Erfindung meines Unterbewusstseins war. Ein Machtkampf. Aber ich bin jetzt frei. Frei von all der Last. Frei von all meinen Sorgen im Alltag. Ich kann das Leben nun mit anderen Augen sehen. Mit bessere. Denn ich bin frei. Ich kann morgens mit einem Lächeln aus dem Haus gehen. Ich merke wie mein Herz vor Freude hüpft und wie schön das Leben sein kann. Frei von all dieser Last. Ich fühle mich frei. Ich bin es.

Ich kann es selbst nicht glauben und ertappe mich immer wieder dabei, wie ich mich vor mich selbst erschrecke.
Positiv.
Ich bin nach einem Jahrelangen Kampf mit mir selbst endlich dort angekommen wo ich mein kleines Ziel gesetzt habe.
Mein Hauptziel. Jetzt kann es nur noch besser werden.


Ich mache mir keine Gedanken mehr um Dinge die sowieso nicht wichtig sind. Ich bin jetzt frei. Ich verschwende meine
Zeit nicht mehr mit all den negativen Gedanken. Ich kann jetzt genießen. Gute Tage richtig erleben. Bewusst erleben. Aufnehmen und genießen. Für mich ist es keine Last mehr vor die Haustür zu gehen. Einkaufen zu fahren. Alleine durch die Stadt zu gehen. Ich bin jetzt frei. Mich interessiert es nicht mehr was andere Menschen von mir denken. Es gibt wichtigere Dinge. Mich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Das ist wichtig. Denn wenn ich das tue bin ich automatisch noch zufriedener. Das ist nicht Arrogant. Das ist gesund. Das ist gut. Ich bin jetzt frei. 


Ich kann bewusst entscheiden welcher Mensch weiterhin ein Teil meines Lebens sein soll und welcher nicht. Weil dieser Mensch mir nicht gut tut. Mich aufhält. Mich dabei stoppt mein Ziel zu erreichen. Das ist mein Leben. Kein anderer sollte bestimmen wie ich dieses zu führen habe. Ich bin jetzt frei. Ich kann nun bewusst aufpassen welche Dinge ich näher an mich ran lasse und welche nicht. Wenn mir dies nicht gelingt, denke ich an meine Vergangenheit. An die Zeit die mir so viel Last gegeben hat. Die mich eingeschränkt hat. Ängste herbei gezüchtet hat. Ich war jemand den ich selbst nicht mehr leiden konnte.

Das bin ich nicht mehr. 
Ich bin glücklich.

 Ich bin jetzt frei. 

Montag, 16. Mai 2016

Kopfsache: Das bin wirklich ich?

In der rechten Hand habe ich meinen Koffer. In der linken Hand meine Kulturtasche. Ich folge dem langen Gang. Ich sehe schon von weiten mein Auto und freue mich, dass ich der Klinik den Rücken kehren kann. Das fühlt sich gut an. Nein! Ich fühle mich gut. Ich bleibe stehen und atme tief ein. "Hallo Welt, ich bin jetzt frei. Zeige mir deine Abenteuer" denke ich mir und gehe zu meinem Auto..

Das hier war mein zweiter Klinik Aufenthalt innerhalb von 2 Jahren. Die Quote finde ich akzeptabel. Es gibt definitiv Patienten die ihr halbes Leben in diesen Kliniken verbringen. Meine Zimmernachbarin war ganze 152 Tage dort und das nicht zum ersten mal. Ein Mitpatient war 16x in der Klinik bevor er sagen konnte, dass es ihm gut geht. Ich sage mir immer wieder, dass ich nicht noch einmal hier her kommen möchte. "Alle guten Dinge sind drei" - in diesem Fall reichen mir die zwei und ich erlaube mir den Spruch nur für mich umzuwandeln: "Alle guten Dinge sind zwei".

5 Monate später 
Ich mache wahnsinnige Fortschritte. Ich erkenne mich manchmal selbst nicht wieder. Das wirft mich manchmal aus der Bahn. Es ist das ungewohnte. Wenn ich ehrlich bin, dann gefällt mir dieses "neue" Leben. Ich bin jeden Tag auf der Jagd. Auf der Jagd nach neuen Fortschritten. Ich möchte sie bewusst spüren, wahr nehmen und abspeichern. Ich habe das erste mal in meinem Leben das Gefühl von Sicherheit. Ich kenne mich und meinen Körper nun ziemlich gut und weiß wie ich verschiedene Situation einzuschätzen habe und wie ich diese am besten angehe. Ich kann Dinge gut auseinanderhalten und mich vom negativen gut distanzieren. Ich bin so viel fröhlicher, offener. Mir bringt es neuerdings Freude wenn ich neue Leute kennenlernen. Ich stehe plötzlich gerne vor einer Gruppe von Menschen und halte einen Vortrag. Ich bin selbstsicherer. Ich habe gelernt mich auf mein Wohlbefinden zu verlassen und diesem auch zu folgen. 


Manchmal liege ich auf meinem Sofa und fange an zu lächeln weil ich stolz auf mich bin und mich gleichzeitig frage ob ich das wirklich bin? Ich habe mich hier nie gesehen. Ich habe nie gedacht, dass ich einmal offen über meine Depressionen spreche und zu ihnen stehe. Ich habe nie gedacht, dass ich ohne einen Therapeuten meine Probleme selbst in die Hand nehmen kann und einen Weg finde damit umzugehen bzw. diese zu verarbeiten. Ich habe niemals gedacht, dass ich einen Anflug von meinen Depressionen selbstständig zur Seite schieben kann und ihnen keinen Raum gebe sich auszubreiten. Selbst in meinen Träumen habe ich mich nie dort gesehen wo ich heute stehe und come on, träumen tut man viel. Ich erinnere mich noch ganz genau daran wie oft ich zu meiner Mama gesagt habe, dass ich endlich glücklich sein möchte. Ich möchte mich nicht wie eine 90 jährige alte Frau fühlen sondern wie eine 20 jährige junge Frau. Und ich kann nach 7 Jahren endlich sagen: Ich fühle mich leichter und bin endlich richtig glücklich. 


"Everything will be okay in the end.
If it's not okay, it's not the end"
Samstag, 26. März 2016

Depressionen?

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. - schreibt die Stiftung Deutsche Depression und trotzdem ist diese Erkrankung in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu Thema. Wir haben Angst diese Erkrankung zuzugeben, wollen sein wie alle anderen glücklichen Menschen dabei erkrankt jeder fünfte Bundesbürger einmal im Leben an einer Depression. Mindestens einmal. Es kann uns alle treffen und wir schweigen es dennoch tot. Wir haben Angst davor plötzlich ausgeschlossen zu werden, ausgelacht und reduziert zu werden.

Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft diese Erkrankung nicht mehr so streng sehen sollte und genau deswegen möchte ich heute darüber schreiben. Ich habe lange darüber nachgedacht, habe es immer als große Last mit mir rum getragen aber eins kann ich sagen: es tut gut darüber zu reden! Ich selbst bin seit einigen Jahren betroffen und habe immer mal wieder eine schwere Depression. Ich wollte es nie wahr haben, habe immer gedacht, dass hängt mit meiner Pubertät zusammen. Ich und Depressiv? Nein! Bis ich gemerkt habe, dass meine Depressionen Ängste heranzüchten und mir mein Leben als sehr schwer gestalten. Ich konnte nicht mehr regelmäßig zur Schule gehen. Die Leute redeten deshalb viel hinter meinem Rücken, sie wussten nicht was los ist. Ich hatte Angst vor den Reaktionen meiner Mitschüler wenn ich nach langer Zeit mal wieder zur Schule gegangen bin, deshalb blieb ich dann doch oft Zuhause. Ich redete mich schlecht. Reduzierte mich. Verzichtete auf meine Jugend. Ich wollte nicht die Welt Kennenlernen die meine Freundinnen gerade im zarten Alter von 14 Jahren kennen lernten. Ich suchte Sicherheit im Pferdestall, verbrachte meine Tage nach der Schule dort. Jeden Tag. 3 Jahre lang. Hier hatte ich das Gefühl aufgefangen zu werden, nicht nachdenken zu müssen und mich nicht anstrengen zu müssen, dass ich es jedem recht mache.


Meine erste richtig schwere Depression hatte ich im Alter von 16 Jahren. Depressionen kann man nicht beschreiben, jeder erlebt sie anders. Ich habe nicht an Suizid gedacht. Dennoch wollte ich schnell genug aus der Depression rauskommen, wollte meinem Alltag entfliehen, meinem Leben. Ich kam nicht aus meinem Bett, selbst das Zähne putzen, duschen oder auf die Toilette gehen war ein Kampf mit mir selbst. Ich hatte keine Kraft mich zu bewegen. Mein Körper tat mir weh. Ich habe kein Essen runterbekommen. "Wenn du nichts essen kannst, dann trinke bitte wenigstens genug" sagte meine Mutter bestimmt 50 000x am Tag zu mir. Sie machte sich Sorgen. Meine Schwester machte sich Sorgen. Mein Stiefvater, meine Großeltern. Alle machten sich Sorgen. Ich wollte nicht, dass es ihnen wegen mir schlecht geht und dadurch ging es mir noch schlechter. Ein Teufelskreis aus dem man nicht leicht rauskommt. Ich vegetierte auf meinem Bett. Ich bekam nicht mit, wie meine Mutter zwischendurch in meinem Zimmer gelüftet hat, wie sie meine Hasen gefüttert oder ausgemistet hat. Ich habe nicht mitbekommen, dass mein Zimmer sauber gemacht wurden ist. Ich starrte den ganzen Tag aus dem Fenster und wunderte mich wie schnell es draußen wieder dunkel geworden ist. Nachts plagten mich Selbstzweifel. Immer dann wenn das Haus ruhig geworden ist, wenn die ganze Welt zur Ruhe kommt und man Zeit zum nachdenken hat. Ich wollte endlich glücklich sein, endlich ein Leben führen indem ich mich nicht so fühle als sei ich schon 80 Jahre alt und hätte mindestens 3x die Welt umrundet. Zufuß. Natürlich. Dazu einen Rucksack mit 120kg Steinen auf dem Rücken. Ich bin 16 Jahre alt und habe das Gefühl alt gewesen zu sein.


Aber nach jedem tief kommt auch wieder ein hoch und so schaffte ich es mit eigener Kraft aus dieser Depression. In den nächsten Monaten hatte ich nur kleine Phasen in denen es mir alles andere als gut ging. Mit 18 Jahren kam die nächste schwere Depression und ich meisterte sie nicht mehr alleine. Meine Angst war zu groß, dass ich mir selbst was hinzufüge. Ich hatte Angst vor mir selbst. Hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich suchte mir Hilfe. Nahm mir eine Auszeit und verbrachte meinen Sommer in einer Klinik. Die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bekam Medikamente, viele Therapien und Eindrücke. Ich lernte mir Zeit für mich zu nehmen, auf meinem Körper zu hören und Stärke zu bekommen. Keiner wollte mir glauben, dass ich unter Depressionen leide. Ich habe in all den Jahren die perfekte Mauer aufgebaut um meine Depressionen zu verstecken. Um mich selbst zu verstecken und eine glückliche Jasmin zu sein. 4 Wochen lang war ich in einer anderen Welt, in einer besseren bis ich wieder nachhause kam.



Heute bin ich fast 21 Jahre alt, habe bereits meinen zweiten Klinik Aufenthalt hinter mir. Unzählige Gespräche mit meinem Psychologen, meiner Familie, meinen engsten Freunden, meinem Herzensmenschen und selbst betroffenen. Ich habe gelernt zu 100% auf meinem Körper zu hören, nicht auf meine Umwelt. Ich habe gelernt nur das zutun was mir gut tut, nicht dass was meine Umwelt gerne hätte. Immer noch stoße ich auf Unverständnis. Ich habe gelernt damit umzugehen. Ich habe gelernt Selbstbewusster zu sein, mehr Selbstsicherheit zu haben. Ich habe gelernt "Nein" zu sagen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und ich habe gelernt offen über meine Krankheit zu reden, denn ich bin der Meinung das es definitiv kein Tabu Thema ist! Auch bei mir gibt es mal schlechte Tage aber ich habe gelernt damit umzugehen. Habe gelernt einen Ausweg zu finden und mich nicht weiter hineinzusteigern und alles schlimmer zu machen. Jetzt kann ich sagen, dass ich weiß wie es sich anfühlt wenn man glücklich ist. Ich bin glücklich. Ich fühle mich innerlich so frei wie noch nie und weiß teilweise nicht wohin mit meiner Energie.

Everything will be okay in the end. If it`s not okay, it`s not the end.