Dienstag, 28. Juni 2016

Lästerschwestern

Schlechtes Gewissen, weil wir lästern? Fehlanzeige!
Wer lästert, der lügt. Wer behauptet er lästert nie, sagt nicht die Wahrheit. Da haben wir den Salat. Egal wie wir es drehen und wenden, ehrlich ist es nicht. Ein schlechtes Gewissen verspüren wir selten. Wir kennen mindestens einen Komplizen, der mit uns das Tun oder Erscheinen eines Dritten analysiert und kritisch bewertet. Das macht die Sache nicht nur einfach, sondern auch amüsant. Oder habt ihr jemals im Monolog gelästert und dabei Spaß gehabt? Eben. Denn dann wäre es ja auch nicht das, was es ist. Lästern.

Warum lästern für uns ok scheint
Zur leichten Disziplin zählt, über Fremde zu spotten. Im vertrauten Kreis ziehen wir über jemanden her, den wir nicht kennen. Kichernd oder mit Kopfschütteln, kritisieren wir dessen Optik oder Verhaltensweise, um unsere Aufmerksamkeit anschließend wieder den wichtigen Gesprächsthemen zu widmen. Das ,,Opfer" wird nie erfahren, dass wir für einen Moment auf dessen Kosten ein Wohlbefinden verspüren durften. Darum geht es nicht? Warum haben wir es dann getan? Hätten wir betreffende, vermeintlich schlecht gekleidete Personen zum Anhalten animiert und ihnen unsere Gedanken ins Gesicht geschleudert, dann wäre das ganz schön unangenehm geworden. Nicht nur für sie, sondern auch für uns.


Eine wesentlich heiklere Situation: lästern über Freunde 
Spannend wird es, wenn wir uns dazu bei Menschen aus unserem Bekannten- oder Freundeskreis hinreißen lassen. Denn: hier gehen die Motive meist tiefer und sind vor allem persönlicher. oftmals gaukeln wir uns selbst vor, dass es sich nicht um die Lust am Lästern dreht. Nein, wir machen uns Sorgen, die ausgesprochen und diskutiert werden müssen. Aber wenn wir so sehr um das Wohlergehen dieser armen Seele bangen, warum sprechen wir sie nicht darauf an? Machen auf den Misstand aufmerksam und versuchen aufrichtig zu helfen? Oder fehlt uns schlichtweg das Verständnis für die Verhaltensweise der betroffenen Person? Oder haben wir sehr wohl verstanden und reden, weil uns der Neid dazu treibt?

Du bist falsch und ich bin richtig
Letzlich ist es auch gleich, denn am Ende geht es doch sowieso nur darum, sich selbst zu versichern: das, was beim Gegenüber schief läuft, läuft bei uns richtig. Mit dem weiteren schönen nebeneffekt, dass sich unser Ego ohne Anstrengung und selbstgefällig in der Sonne aalen kann. Wir reden uns das Lästern also einfach schön, weil uns niemand dafür belang und weil wir uns so, auf kosten anderer, für kurze Zeit besser fühlen können.

Wie wäre es, wenn wir statt immer auf den Nächsten zu schielen, uns einfach mehr mit uns selbst auseinandersetzen würden? Fehler würden wir sicher ebenfalls zu Genüge finden. Doch im Gegensatz zu gemeiner Lästerei hätten wir bei uns auch die Chance, wirklich was zu ändern oder zu akzeptieren und so unser Selbstwert zu steigern, ohne einen faden Beigeschmack haben zu müssen.
Kommentare on "Lästerschwestern"
  1. Sehr schöner Artikel, vor allem der letzte Absatz - wohl wahr!! ;)
    Liebe Grüße

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    1. Danke für dein kleines Feedback :)

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