Mittwoch, 8. Juni 2016

Neid fühlt sich furchtbar an. Muss aber nichts schlechtes sein.

Neid auf das, was andere können oder haben, kennt jeder von uns. Gut fühlt sich das wirklich nicht an. Aber was ist, wenn andere mal auf uns neidisch sind und dir das Gefühl plötzlich gefällt?

Neid frisst auf. Neid macht unglücklich. Neid ist scheiße. Aber hast du schon mal gespürt, wie es ist, wenn andere neidisch auf dich sind? Hast du schon mal wahrgenommen, wie wohlig warm sich dieses Gefühl in dir ausbreitet? Hast du dir auch schon mal ein verlegenes Grinsen verkneifen müssen, weil du den neid deines Gegenüber gespürt hast?

Und ja, was war ich neidisch. Schon immer. In der Schule hatte ich das typische Trauma, dass ich irgendwie immer etwas zu dick war (ich hatte Idealgewicht und sah gesund aus). Trotzdem war ich eben neidisch auf die anderen. Sie waren eben viel schlanker (das behauptete ich damals zumindest), also auch gleichzeitig hübscher und somit beliebter waren. Die anderen hatten immer so viele Freunde, sie langweilten sich nie und hatten immer was zu lachen. Eben einfach neidisch darauf, dass die hübschen Kinder auch immer die besseren Noten hatten. 


Mittlerweile habe ich mich mehr oder weniger mit meinem Spiegelbild vertragen. Wir verstehen uns nun. Also der Spiegel und ich. Mein Freundeskreis ist nicht in Rekordzeit nach oben geschossen sondern ist immer noch überschaubar und das ist auch gut so. Ich brauche auch gar nicht erwähnen, dass die Leute mit schülerVZ, Facebook und co auch ein perfektes Social-Life hatten. Freundesliste voll, Pinnwände voll, extrem lustige und viele Konversationen unter total vielen Bildern von letzter Nacht. Jap und ich war irgendwo dazwischen und neidisch auf alle anderen.

Aber dann kam die Kehrtwende. Genau dann als diese harte Realität zuschlug und es um einen Ausbildungsplatz ging und um die erste eigene Wohnung. Dann als es Zeit wurde Mamas Rockzipfel endgültig zu verlassen. Da war er da. Mein Ausbildungsvertrag. Mein erster Vertrag auf dem ein gutes Gehalt drauf stand. Und kurze Zeit danach folgte mein erster Mietvertrag.

Ich war stolz. Und wie. Zum ersten Mal bekam ich diesen Hauch von Neid zu spüren: Sie waren neidisch auf mich, auf meine Ausbildung und auf meinen Mietvertrag. Und während ich im Real-Life in Gesprächen mit eben diesen Leuten war und ein "Da hatte ich einfach nur Glück" und ein "Das schaffst du auch. Wenn ich das geschafft habe, dann du doch erst recht", ergötze ich mich innerlich in diesem Gefühl. Ich weiß. Ich weiß. Moralisch ist das überhaupt nicht in Ordnung. Aber handeln wir nicht alle so? Und ja, ich fühlte mich besser. Manchmal sogar richtig verdammt gut. Aber das Schlimme daran ist nicht, dass ich mich dabei so gut gefühlt habe. Das würde ich mal ganz schlicht als menschlich verbuchen. Das schlimme daran ist, dass man dabei gerne den Hang zur Realität verliert. Man vergisst in solchen Gesprächen sehr schnell, dass eine eigene Wohnung in einer Ausbildungszeit kein Zuckerschlecken ist und dass man lieber auf die anderen neidisch sein sollte, die noch so lange wie möglich Zuhause wohnen werden. 


Man darf nämlich stolz darauf sein, was man erreicht hat. Auch stolz darauf, was man aus Überzeugung vielleicht auch aufgegeben hat. Stolz darauf, zu sein und zu leben, wie sich das ganz tief in einem drin richtig anfühlt. Egal, ob superschlank oder eben nicht. Ob Chefin mit 100 Angestellten oder eben nicht. Ob mit Abitur oder eben nicht. Ob mit Kindern oder nicht. "That's the world we live in" oder "machen wir sie uns eben so, wenn's uns gefällt." Ein bisschen Pipi Langstrumpf kann doch nicht falsch sein oder?

Klar ist Neid scheiße und ja, der eklig-bittere Geschmack von Neid kommt immer mal wieder hoch. Aber dann sehen wir es eben als Ansporn an uns selbst, noch etwas zu verändern. Am besten an der inneren Einstellung. Damit sich Mr. Neid einfach mal gepflegt vom Acker machen kann. Dann wird Neid vielleicht einfach nur zum Motivationstrainer?
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