Mittwoch, 1. Juni 2016

People: Welches Päckchen trägst du mit dir?

Es gibt genügend Menschen in unserem Umkreis die mit einer psychischen Krankheit leben oder mit anderen Problemen/Einschränkungen. Für die Gesellschaft ist es oftmals noch ein Tabu Thema darüber zu reden. Für mich schon lange nicht mehr. Wenn wir über die aktuellen Geschehnisse in der Welt reden, über die neusten Trends und den neusten Klatsch und Tratsch können wir doch auch über wirklich wichtige Themen reden? Heute möchte ich euch von Madina erzählen. Madina hat ebenfalls ein Päckchen mit sich zu tragen was sie euch heute gerne etwas näher bringen möchte.



Stelle dich doch mal vor. Wer bist du?
Hey, ich bin Madina Gold. Ich habe einen Blog namens "das grüne Haar im Essen" (klick) wo ihr Rezepte, Produkttests und Events findet die ich besuche. Bekannte kennen mich als kleine Frohnatur aber eigentlich leide ich unter schweren Depressionen und Borderline und habe mich in den vergangenen Monaten in einer Psychatrie behandeln lassen.

Man sagt "jeder hat so sein Päckchen zu tragen" Wekches ist dein Päckchen? 
Mein Päckchen ist, dass ich den Lebensmut verloren hatte. Ich hatte das Gefühl, dass mich nichts mehr in meinem Leben glücklich macht. Ich isolierte mich selbst von der Außenwelt und machte nichts mehr außer im abgedunkelten Raum rumliegen und mich in schlechten Gedanken (Suizid, Wunsch nach ewiger Ruhe) zu verrennen. Ich sagte immer, dass ich bevor ich 30 werde, tot sein will. Ich leide seit Jahren unter starken Schlafproblemen und nahm in meiner Verzweiflung alle Schlaftabletten die ich finden konnte. Ich erbrach sie alle unfreiwillig, da ich nicht wusste, dass diese ein Brechmittel beinhalten und da merkte ich, dass es so nicht weiter geht und ich Hilfe brauche.


Hast du deiner Familie/deinen Freunden von deinem Päckchen erzählt? Wie waren die Reaktionen? 
meiner Familie habe ich alles Jahre lang verschweigen können. Erst als ich in der Klinik war, traute ich erst meiner Schwester davon zu erzählen, die dann meinen Eltern vermittelte. Erst danach sprach ich mit meinen Eltern. Die Reaktion meiner Familie war sehr verständnisvoll. Sie machen sich aber auch Vorwürfe, dass ich ihnen jahrelang nichts sagte, aber es lag wirklich nicht an ihnen, dass ich so war. 

Wie gehst du in deinem Alltag damit um? Bist du sehr eingeschränkt?
 Depressionen und Borderline kann man nicht heilen, man kann nur lernen damit umzugehen. Ich versuche mich viel abzulenken in dem ich mich mit positiven Leuten umgebe und viel Sport mache. Ich werde auch in eine Tagesklinik gehen, die speziell nur für Borderliner ist um dort mehr mit dem Umgang der Krankheit zu lernen. Außerdem nehme ich Antidepressiva und Neuroleptika, bei denen ich wirklich merke, dass sie mir helfen. Trotzalledem ist der Wunsch nach ewiger Ruhe immer noch da, finde aber dass das noch warten kann, denn jetzt wo ich mein Leben mit vielen schönen Aktivitäten Fülle es endlich Spaß macht! 
Kommentare on "People: Welches Päckchen trägst du mit dir? "
  1. Ein schöner und vor allem ehrlicher Beitrag!
    Ich habe seit 16 Jahren Typ 1 Diabetes und bin wegen vieler Dinge, seit fast 12 Jahren in Therapie.
    Ende 2013 bin ich durch meine Diabulimie (Ich lasse das lebenswichtige Insulin weg um abzunehmen) ins Koma gefallen und lag 2 Wochen auf der Intensivstation. Damals verkaufte ich das noch als "Versehen" und "ich könne mir selbst nicht erklären, wie das passieren konnte". Aber die Gesichter meiner Eltern, als ich im Krankenhaus aufwachte, lösten etwas in mir aus. Seit 2014 schreibe ich nun einen Blog über meine Diabulimie. Erst durch den Blog erfuhren meine Eltern von der ganzen Sache. Ich konnte es ihnen und meinen Ärzten einfach nicht sagen. Mittlerweile wissen fast alle von meiner Familie, meinen Freunden und meinen Ärzten davon und ich habe wieder eine Therapie begonnen. Am meisten hilft mir aber mein Blog, der mir gezeigt hat, dass ich nicht alleine bin und was für ein großes Thema die Diabulimie bei vielen jungen Diabetikern spielt. Das hat mich selbst erschrocken. Ich selbst hatte vorher selbst nie davon gehört und setzte mich seitdem für mehr Aufklärung ein. Allerdings zeigen sich viele Ärzte noch nicht kooperativ und wollen mir bei der Recherche oft nicht weiterhelfen. Was mir aber nur mehr zeigt, dass man über solche Themen reden muss. Nur weil man sie nicht öffentlich macht, heißt das nicht, dass diese Probleme bestehen.
    Liebe Grüße und weiter so!
    Lisa

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    1. Hallo Lisa,
      danke für dein ausführliches Kommentar!
      Setze dich doch bitte mit mir über Mail in Verbindung (jasmin_pr at hotmail.de)

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